Meinungsaustausch statt Meinungsbildung

Bist du wirklich interessiert an meiner Meinung oder willst du mir meine Meinung nehmen, um mir wahr zu machen, dass nur deine Meinung die Richtige ist?

Wir kommunizieren nur das, was unsere Meinung stützt, sogar selbst dann, wenn das Gesehene und Erlebte davon abweicht. Dann tilgen wir das, was nicht ins Schema der Geschichte passt.

Im Studium hat ein Prof. dazu mal folgende Worte gesagt: „Glaube keiner Studie, die du nicht selber gefälscht hast.“

Wenn zum Beispiel eine Person berichtet, dass eine Demo total friedlich verlaufen ist und eine Person andere sagt, das es Ausschreitungen und Gewalt gab, dann halten beide Seiten an ihrer Meinung fest. Selbst wenn sie dadurch, das was war, verzerren. Keine der Seiten würde sich leicht tun, die Sichtweise des Anderen anzunehmen, selbst wenn sie wissen würden, das es so ist.


Wenn wir generalisieren, statt wirklich wahr zu nehmen.

Wir generalisieren die ganze Zeit, wenn wir nicht aufpassen und unbewusst sind, denn unser Verstand funktioniert so. Das spart Strom oben in der Kiste. Im Grunde ist das auch sinnvoll. So erkennst du eine Tür, ein Fenster, ein Schlüsselloch usw. und weißt direkt, wie es funktioniert und wofür es da ist. Doch bei allem, wo es darüber hinaus geht, ergibt es keinen Sinn.

Denn die benannte Demo kann durchaus (auch) friedlich gewesen sein und es kann (auch) Ausschreitungen gegeben haben – beide Ereignisse können Teil dieser Demo gewesen sein. Doch dies zu berichten, würde keine Emotion erzeugen.

Emotion schafft Erinnerung

Damit wir Informationen in der Tiefe verarbeiten können und uns erinnern, brauchen wir hohe Emotionen. Das ist wissenschaftlich bewiesen.

Wenn du dich mal für einen kurzen Moment deiner Vergangenheit widmest: Die meisten Erinnerungen sind entweder erfüllt von purem Glück, Freude, Liebe oder von Schrecken, Trauer oder Angst. Dazwischen gibt es nichts. Beide Erinnerungsformen sind mit starken Emotionen verbunden. Sie sind die Anker unserer Erinnerungen.

Worauf du dich fokussierst, das verstärkst du.

Das worauf du dich bewusst fokussierst verstärkst du, den Rest nimmst du wie nicht wahr. Er wird unbewusst gelöscht, für dich, damit die Welt an die du glaubst auch bestehen bleibt – selbst dann, wenn es Teil der Wahrnehmung ist, die du jedoch nicht wahrnehmen kannst, aufgrund der Filter, die du über Welt gesetzt hast bzw. die durch dich gesetzt wurden.

Damit ist gemeint: Selbst wenn an einer einzigen Stelle eine Ausschreitung war, dann ist die ganze Demo brutal. Der Rest wird schlichtweg getilgt. Andersrum genauso, wenn an einer Stelle ein friedliches Grüppchen die Demo begleitete, dann war auf einmal die ganze Demo friedlich.

Wenn sich dann beide Parteien darüber austauschen, wird es keine Seite geben, die bereit wäre die Geschichte des Anderen anzunehmen. Doch genau das wäre der Schlüssel eines wahrhaftigen und offenen Informationsaustauschs. Beides bleibt bestehen, weil Beides geschehen ist.

Was stattdessen geschieht, ist eine einseitige Meinungsbildung, die auf der (verzerrten) Realität der Person beruht, welche die Nachricht vermittelt. Selbst meine Worte hier sind verzerrt, obwohl ich so neutral wie möglich sein möchte.

Dein Weg zum wahrhaftigen Dialog

Es ist an der Zeit, das wir (wieder) anfangen, wahrhaftige und offene Kommunikation zu leben. Ein Dialog der verbindet, einander abholt – in wahrem Interesse für den Anderen und nicht nur im Interesse für uns Selbst. So hören wir auf einander zu benutzen und fangen an miteinander zu sein.

Ein Dialog, in dem wir einander annehmen und stärken, was ist, anstatt uns weiter voneinander zu trennen, mit dem Ziel weiter Recht zu behalten. Wofür eigentlich? Um uns dann gut zu fühlen. Durch Andere? Dieser Umweg lohnt sich nicht mehr, wo er hinführt haben wir erfahren und es ist genug. 

Was wäre, wenn wir uns eben geirrt haben, erkannt haben, das es eben nie darum ging? Und wir uns genau deshalb nie wirklich gut gefühlt haben?

Einfach weil wir erkannt haben, das ein Großteil von dem, was wir da (unbewusst) verteidigen, gar nicht das ist, was wir wollen! Und es nur dadurch geblieben ist.

Sind wir wirklich an einem Punkt in der Gesellschaft angekommen, an dem es wichtiger erscheint Recht zu haben, als das wir das, was wir vielleicht bis gestern noch geglaubt haben, einfach mal loszulassen. Das es eben nie um das „Wie“ ging, sondern um die reine Absicht, die uns verbindet.

Dein Blick auf die Welt – mein Blick auf die Welt.

Natürlich blicken wir alle anders auf diese Welt. Wir erleben ja auch alle unser eigenes Leben. Das ist auch gut so und genauso gedacht. Also wie sollst du mein Leben verstehen können, wenn du dein Leben lebst? Können wir es für jetzt dabei belassen und die Welt offen und neugierig miteinander teilen? Statt mit vorwurfsvollen und kritischen Augen, mit neugierigen.

Und indem wir uns einfach auf das fokussieren, was wir wirklich wollen und damit aufhören zu meckern – wird alles auf einmal wie von selbst friedlicher in uns und um uns herum. 

Wenn du jetzt all das einfach loslässt …
Was wäre dann?
Was wäre, wenn du der Mensch bist, der damit anfängt?

Jetzt!

 

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